Stromfresser EM 2008

Bild von Christoph

Habt ihr euch schon mal gedanken gemacht, wie viel Strom ein 90 Minuten Fussballspiel benötigt ? Wenn am 9. Juni die Lichter angehen für das erste EM-Spiel in Zürich
zwischen Rumänien und Frankreich, herrscht Hochspannung im Letzigrund -
und das nicht nur auf den Rängen. Denn ein Fussballspiel ist gerade an
einer EM kein profaner Kick, sondern ein Mega-Event und als solcher
auch ein gigantischer Stromschlucker. Rund 35400 Kilowattstunden Strom
wird ein Match verbrauchen. Soviel brauchen 10 Haushalte in einem Jahr. Erstaunlich ist, dass nicht etwa die Flutlichtanlage oder die
Verpflegungsstände am meisten Strom benötigen, sondern das Zeltdorf für
Firmen und Sponsoren. Stromverbrauch kommt etwa auf 11000
Kilowattstunden pro Spiel.

Der stadioneigene Whirlpool wird an der EM hingegen keinen Strom
fressen. Weil es nur einen gibt und es zu «heiss» wäre, Rumänen und
Franzosen gleichzeitig dort reinzusetzen, bleibt der Pool abgeschaltet.

Flutlicht

Für die EM wird eine
Beleuchtungsstärke von 1400 Lux (1400 Lumen pro Quadratmeter)
gefordert. Um die nötigen 7140 Quadratmeter im Stadion entsprechend zu
erhellen, steht eine Fülle von Lichtanlagen zur Verfügung: 398
Strahler, 228 Strahler an Kandelabern, 31 Kandelaber mit Lichtpunkthöhe
bis 38 Meter sowie 170 Strahler unter dem Dach. Total verbraucht die
Anlage pro Spiel 4800 Kilowattstunden. Die Umgebungsbeleuchtung braucht
weitere 1000 Kilowattstunden.

Beschallung

Die komplette Leistung der
Akustikanlage beträgt 220’000 Watt Sinus (220 Kilowatt). 100
Lautsprecher sind im Tribünenbereich installiert, 240 im Umgangsbereich
und 10 weitere im Aussenbereich. Die Anlage entspricht der aktuellen
Sicherheitsnorm für Evakuierungsanlagen; der maximale Schallpegel ist
grösser als 105 Dezibel. Um die Zuschauer entsprechend zu beschallen,
benötigt die gesamte Anlage pro Fussballspiel 1300 Kilowattstunden.

Überwachung

Im Letzigrund ist die modernste
Videoüberwachungsanlage aller Schweizer Stadien installiert - mit
insgesamt 28 Kameras. Der gesamte Energieverbrauch im Bereich
Gebäudetechnik beläuft sich auf 3500 Kilowattstunden.

Rasenheizung

Der Naturrasen im Stadion ist mit
einer Rasenheizung ausgestattet. Diese muss per Gesetz mit erneuerbarer
Energie betrieben werden - im Letzigrund kommen dafür Holzpellets zum
Einsatz. Weil die EM im Sommer über die Bühne geht, wird die
Rasenheizung nicht in Betrieb genommen.

Videowände

Zwei Monitorwände mit
futuristischem Namen «Daktronics ProStar Outdoor Video Plus Display
System» ermöglichen das Anzeigen von Resultaten oder von Bildern, die
von der Fernsehproduktionsfirma aufgenommen wurden. Jede Monitorwand
hat eine Fläche von knapp 62 Quadratmetern und wiegt rund drei Tonnen.
Der Stromverbrauch beträgt pro Spiel 700 Kilowattstunden.

Solaranlage

Auf dem Stadiondach ist eine
Photovoltaikanlage mit einer Solarmodulfläche von 1650 Quadratmetern
installiert. Die Anlage leistet zirka 250 Kilowatt, liefert also pro
Jahr gut 210’000 Kilowattstunden Strom. Dies entspricht dem jährlichen
Verbrauch von etwa 60 Haushalten.

Verpflegung

Aus Sicherheitsgründen müssen im
Letzigrund alle Speisen mit Elektrogeräten zubereitet werden. Dies
erklärt den enormen Energiebedarf der Verpflegungsstände im
Publikumsbereich von 4000 Kilowattstunden. Auch das Restaurant mit
VIP-Lounge und Logen benötigt viel Energie: 1800 Kilowattstunden.